Legende

 
 

 
Eine der schönsten Tierlegenden rankt sich um die Entstehung der Birmakatzen. Schauplatz dieser Legende ist das Kloster Lao-Tsun, dass Anfang des 18. Jahrhunderts von den Khmer im Osten des Indaougiji-Sees, an einem steilen Abhang des Lugh-Gebirges in Birma, einem Land zwischen Thailand, dem ehemaligen Siam, Pakistan und China erbaut wurde. Es war umgeben von hohen, unübersteigbaren Mauern.
Der buddhistische Mönch Yotag Booh-Qugji erzählte folgende Geschichte:

Im Kloster Loa-Tsun lebten einst buddhistische Mönche, genannt Kittah’s. Der alte, ehrfurchtsvolle Kittah Mun Ha, der Großlama, der Ehrwürdigste von allen, hatte sein ganzes Leben einzig der Anbetung der saphiräugigen Göttin Tsun-Kyan-Kze - der Göttin der Seelenwanderung - geweiht. Sie war die große Mittlerin, die den Kittah-Mönchen die Macht gegeben hatte, nach dem Tode in einem geweihten Tier noch einmal zu leben, solange dessen tierisches Leben dauerte, um anschließend mit der ganzen heiligen Vollkommenheit eines Lamas in den Himmel auffahren zu können.

Der weise Mun Ha besaß einen Kater namens Sinh, der ihm als Orakel diente. Sinh war vollkommen weiß mit gelben Augen. Ohren, Nase, Schwanz und Pfoten hatten die Farbe des Bodens. Abzeichen für Schmutz und Unreinheit all dessen, was den Erdboden berührt oder berühren kann. Sinh begleitete den hohen Priester auf Schritt und Tritt und verrichtete mit ihm zusammen die Andachten.
Eines Abends kamen die feindlichen Phoums, die aus Siam stammten in die Nähe des heiligen Orts. In dieser Stunde starb der weise Großpriester Mun Ha im Gebet vor der Göttin. Bei ihm waren sein getreuer Gefährte der Kater Sinh und die verängstigten Kittha-Mönche. In diesem Moment der Verzweiflung geschah das Wunder der Seelen-Wanderung:

Sinh sprang auf den Goldthron und stellte die Pfoten auf den Kopf seines in sich zusammengesunkenen Herrn. Es war das erste Mal, dass die Augen seines Herrn nicht auf die Göttin gerichtet waren. Statt seiner verhaarte nun der Kater Sinh unbeweglich in der Anbetung der Statue der ewigen Göttin und das Wunder geschah:

Das Haar des Katers Sinh wurde golden, die Augen tiefblau, wie die der saphiräugigen Göttin Tsun-Kyan-Kze. Seine Pfotenspitzen, die den Leib des Ehrwürdigen Mönches berührt hatten, wurden rein weiß bis zu der Stelle, die durch die geweihten Gewänder bedeckt waren, als ein Symbol von Mun Has reinem Geist. Die Augen des Katers richteten sich starr auf die Südpforte des Klosters. Die Mönche verstanden und schlossen eilig die schweren Bronzetore, bevor die Barbaren den Tempel entweihen und plündern konnten. Sinh verhaarte sieben Tage ohne Bewegung in Anbetung der Göttin auf dem Thron. Am siebten Tage starb auch er. Sinh nahm die Seele Mun Has und brachte sie der Göttin Tsun-Kyan-Kze. Mun Ha brauchte auf dieser Erde nicht mehr in anderer Gestalt zu leben ... er war vollkommen. Als sich die Kittah-Mönche sieben Tage später versammelten und die Göttin um einen erwürdigen Nachfolger anflehten, liefen alle Katzen des Klosters herbei ... Alle hatten statt der gelben saphirblaue Augen, goldenes Haar; und sie hatten das Zeichen der Reinheit - die weißen Pfötchen. Sie umringten lautlos den jüngsten der Kittah-Mönche. Auf diese Weise hatten die in den Katzen verkörperten toten Kittahs ihren Nachfolger bestimmt. Wann immer eine heilige Katze im Kloster Lao Tsun stirbt, nimmt sie die für immer befreite Seele eine Kittahs, mit ins Paradies von Song Hio zu dem Gotte alles Goldenen.